Das Forsthaus von Seeligstadt

Bild: Teichler Seeligstadt Sachsen Forsthaus
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Das Forsthaus; alte Nr. 51, Baujahr 1753   

Schon Jahrhunderte hindurch wurde die Massenei von Seeligstädter Forstleuten betreut. Im Jahre 1559 sind 2 amtierende Förster genannt, dazu steht im Amtserbbuch von Stolpen; „ Valten Hornigk zu Seligstadt betreute den halben Teil der Masteney, dergl. begehet Michel Faselt, auch zu Seligstadt wohnhaft, den anderen Teil der Masteney.“ Doch bereits vorher ist Hornigk sen. als Förster erwähnt, er soll 48 Jahre hier Förster gewesen sein. Es ist zu vermuten, dass schon eine Försterei an der Stelle stand, wo 1753 das heutige Forsthaus erbaut wurde. Im Vorgänger Forsthaus ist vermutlich der berühmte Porzellanmodelleur Johann Joachim Kändler  1706 geboren. Sein Vater war Pfarrer von Seeligstadt und Fischbach und durch seine 2. Ehefrau mit der Försterfamilie Schumann liiert. Das heutige Bauerngut Petschel an der Fischbacher Str. 2 könnte aber auch als Wohnhaus bzw. Forsthaus für die Förster vor 1753 gedient haben. Es wird auch als Wohngut der Oberförsterfamilie Schumann bezeichnet. Die Försterfamilien Schumann besaßen noch andere Grundstücke im Ort. Besitzer des Forsthauses waren die obersten Dienstherren bzw. das jeweilige Forstamt. In den vergangenen Jahrhunderten waren die hiesigen Förster gleichzeitig auch Bauern. Dafür spricht heute noch der landwirtschaftliche Charakter der Förstereigebäude. Der letzte Förster, der die Forstfelder noch selbst bewirtschaftete war J.T.Hauswald. Bis 1945 wohnten die Förster auch noch im Forsthaus. Nach dem 2. Weltkrieg waren darin Wohnungen für die Waldarbeiter, Flüchtlinge u.a. eingerichtet und 1957 kurzzeitig auch das Gemeindeamt untergebracht. Nach jahrelangem Leerstand und Verfall versteigerte das Forstamt die Gebäude 2001 an einem Steinmetzen Herrn Landgraf, der es seitdem schrittweise ausbaut.
Die Förster von Seeligstadt pflegten und hegten Flora und Fauna des sagenumwobenen Masseneiwaldes. Bis 1918 gehörte die Massenei zum königlich sächsischen Besitztum und auch August der Starke hat hier so manche Stücke Rot- und Schwarzwild erlegt. Über die Besoldung der Förster steht im Amtserbbuch von 1559 noch folgendes; „Die Besoldung ist 30 Schock 30gl an Geld, 8 Ellen gemeinen Tuch zu 5gl. Eine Laaßwiese an der Steinbach noch 2 Fuder Heu“ und weiter steht „Michael Faselt ist vergangenen Ostern Valten Hörnigken zum Mitgehilfen verordnet, dem kein Lohn gegeben, denn izzo zum Abzuge von 1 Schock 20gl Holz. Das Schreibgelt hab Förster Hörnigk nit ihme zugleich geteilet.“                                              

Förster die noch im alten Forsthauswohnten:

                                                                               
Valten Hornigk: (Hörnig) Senior 1500-1547
Valten Hornigk: (Hörnig) Junior 1547 gemeinsam mit Michel Faselt. Ende der Amtszeit 1559 und ab diesem Jahr wird er im Stolpener Amtserbbuch als Einhüfer
(Bauer) bezeichnet. 1563 wird er auch als Pächter des Niederteiches und des Masseneiteiches auf 11 Jahre gemeinsam mit Pächter Urban Weber, Simon Eisellenn, Sebastian Remmsattel u.a. Einwohnern erwähnt. 

Michael Simon: vermutlich erster Oberförster, gestorben 1560

Johann Friedrich Ziegenbalg: Oberförster, gestorben 1572

Hans Gastel: Oberförster, gestorben 1582. Er kauft sich „ein Gütlein“ und war zuletzt Pirschmeister in Dresden und wird auch als Wildmeister bezeichnet. Soll der erste berittene Oberförster gewesen sein.

Hanß Taffelt: Oberförster, bezeugt 1583 (Stolpener Revierbuch)                                     

Caspar Zoest: auch Zoß geschrieben, Oberförster, bezeugt 1586 (Stolpener Revierbuch), gestorben 1587                       

Wullf Hallacher: Oberförster, bezeugt 1591 (Holzordnung des Stolpener Reviers)                                

Raßel Rohrbacher: Oberförster 1598

Hieronymus Röhrbacher: ev. Sohn vom Vorgänger, bezeugt 1606 (Stolpener Revierbuch) gestorben 1616                  

Hans Heinrich Kühn: Oberförster vermutlich von 1632-1654, geboren um 1610, verstorben 08.06.1663

Matthias Zeibig: kein Oberförster (ein 1 Hüfer) vermutlich von 1655-1663

Michael Schumann: Senior, kurfürstlich sächsischer Oberförster von 1663-1693                       
Er wurde in einer Gruft unter dem Altarraum in der Kirche bestattet. Die Gruft wurde 1934 entdeckt und der Grabstein im Altarraum aufgestellt. Darauf steht; *am Tage
Michaeli 29.09.1630 in Kirchhain, +am 11.09.1693, heiratete in Altendreßden Anno 1654 am Tage Galth. eine Frau Anna geb. Schlettern und zeuget mit ihr 3 Söhne und 6 Töchter, war hier 30 Jahre und 11 Wochen und 5 Tage Oberförster, Alter 63 Jahre weniger 2 Woch. Er stiftete auch 1674 die Altarleuchter in der Kirche.

Kinder von Michael Schumann;

Johann Michael
Anna Marie, verh. mit Christoph Keyling, Gleismann in Königbrück
Anna Dorothea, verh. Mai 1686 in Seeligstadt mit Valentin Ziegenbalg (*19.05.1655 +23.09.1706), Steinmetz in Dresden, der 3. te Sohn aus dieser Ehe ist der spätere Förster Johann Friedrich Ziegenbalg, 2. Ehe am 16.04.1709 in Dresden mit Johann Gottfried Krellmann  
Anna Elisabeth , verh. mit Hanns Christoph Süßemilch
Anna Sophia, verh. mit Zacharias Zittmann
Anna Catharina, verh. mit Hanns Christoph Sommer, Heege Bereutheer aus Kleinröhrsdorf von 1677-1714, + 20.12.1741 Kleinröhrsdorf.
Anna Margaretha, verh. mit Gottlob Theodory Volkmann Candidat Justiana

Johann Michael Schumann: Junior, Oberförster von 1693-1717 bezeugt 1699
(Stolpener Revierbuch) um 1698 ist er auch Besitzer der Brett -und Mahlmühle auch Sträuchermühle genannt gemeinsam mit Michael Eysoldt, seine Ehefrau ist Anna Katharina. Sie stiftet ein Bild mit Abraham an der Kasettendecke in der Kirche und
einzigste Tochter ist Johanna (Anna) Sophie *1701 Seeligstadt +07.01.1756 Seeligstadt 

Johann Friedrich Ziegenbalg: Oberförster von 1717-1749, bezeugt 1719-1733 (Stolpener Revierbuch) war aber schon königl.-sächs. Förster in Dresden um 1712,
*19.12.1692 in Dresden +18.03.1779 in Seeligstadt. Erste Ehe um 1717 mit Anna Sophia Schumann Tochter vom Vorgänger und 2. Ehe mit Margarethe Sophie geb. Michael. 1737 kaufte sich der Förster gemeinsam mit seinen Sohn Johann Christlieb *11.12.1722 das hiesige Erbgericht von den Pöppelmann Erben. M.D. Pöppelmann war der Erbauer des Dresdner Zwingers. Sein Sohn stirbt 1750 in Lutherstadt Wittenberg als Student und seiner Frau Anna Sophie wird das Erbgericht übertragen, das sie 1752 verkauft.     
     
Förster die im heutigen Forsthaus wohnten:

Christian Gottlieb Martini: Oberförster, bezeugt 1763-1777 (Stolpener Revierbuch)                                Er stiftet im Jahre 1762 einen Abendmahlskelch für die Kirche. Vermutlich war er schon ab 1753 hier Oberförster, denn noch heute ist über dem Hauseingang sein Wappen C.G.M. mit Jagdhorn und der Jahreszahl 1753 zu sehen. Seine Frau war Johanna Sophia, in einem Forstbericht vom Amt Stolpen steht 1763; „Der Oberförster
hütet mit seinem Vieh am Rande der Waldung, der Fußknecht desgleichen.“

Christian Gottlob Hartmann: Fußknecht, bezeugt 1777 (Stolpener Revierbuch) dann Oberförster ab 1778-1783, seine Frau ist Johanna Eleonora

Johann Adolf Hencker: Oberförster, bezeugt 1783 (Stolpener Revierbuch) +02.02. 1791                     

Christian Gottlieb Unger: Förster 1790, +12.07.1811       

Christian Leberecht Heinrici: Oberförster ab 1791-1811, bezeugt 1810 (Stolpener Revierbuch) *02.05.1743 +02.02.1826, vorher war er Förster im Fischbacher Revier. Er stiftete ein barockes Liederansteckbrett, welches 2003 restauriert wieder in der Kirche angebracht wurde.                            Am 17.p.Trinitatis 03.10.1773 heiratete er in Struppen Johanna Veronika Schumann *24.12.1743 +28.12.1799 in Seeligstadt. 

Johann George Kreutz: Unterförster, bezeugt 1805-1812 (Stolpener Revierbuch) +26.05.1814 war um 1803 Fußförster.

Wilhelm Heinrich Rühling: Revierförster, bezeugt 1812 (Stolpener Revierbuch)             
*09.01.1783 in Leipzig +04.07.1853 in Ullersdorf, heiratet am 28.04.1812 die Tochter vom Oberförster Heinrici, Wilhelmine Juliane Luise in Seeligstadt, *18.09.1781 in Rathen +24.10.1843 Reinhardsdorf. Rühling wird 1812 als erster reitende Förster zu Seeligstadt bezeichnet. Vermutlich bis 1815 Förster hier, denn 1816 ist er Förster zu Kleingießhübel und ab 1818 Oberförster zu Ullersdorf. Ein Sohn Moritz Ernst Theodor *30.08.1813 in Seeligstadt +13.09.1813 Radeberg.

Probsthayn: Revierförster, bezeugt 1825-1830 (Stolpener Revierbuch)                                      

Karl Christian Friedrich Berndt: Revierförster, bezeugt 1835-1846 (Stolpener Revierbuch) +23.03.1849  

Friedrich Wilhelm Stenzel: königl.-sächs. Oberförster, bezeugt 1849-1855               
(Stolpener Revierbuch). Er war bis 1848 Förster in Porschendorf und heiratet am
12.11.1826 in Porschendorf Johanne Amalie Boden (*27.01.1806 +15.08.1847) aus Dresden. 2. Ehe am 20.07.1855 und ist +26.07.1858 im Alter von 59 Jahren und 5 Monaten.  

Johann Traugott Hauswald: Förster von 01.10.1858-01.10.1884

Dreßler: Förster 1884-1887

Friedrich August Simon: Förster 1887-1909

Franz Bräunig: Förster von 1909-1936 *30.03.1871 +27.03.1945 verheiratet mit Alma, obwohl pensioniert übernahm er im 2. Weltkrieg die Vertretung von Erwin Scheffler.    

Erwin Scheffler:  Förster von 1936-1945, *10.06.1904 Otendorf +22.09.1973

Max Friedel: Förster ab 1945 und 1951 zusammen mit

Alfred Winkler: Förster von 1951-31.12.1975, *18.08.1910 +09.03.1985, verheiratet mit Erna Boden * 20.08.1915 +23.08.1995,

Horst Herbach: Förster von 01.01.1976-31.07.1993, betreute die Massenei vom Forsthaus Großharthau aus.

Ralf Schulze:  Förster ab 01.08.1993, *07.10.1960

 
ANHANG  Niedere Forstbeamte waren:

Fußknecht Mertten Frietzsche, bezeugt 1586 (Stolpener Revierbuch)
Fußknecht George Hörnig, bezeugt 1606 (Stolpener Revierbuch)
Fußknecht Matthes Sommer, bezeugt 1680 (Stolpener Revierbuch)
Fußknecht Christian Sommer sen., bezeugt 1698 (Stolpener Revierbuch)
*1670 Seeligstadt +30.02.1727,
Fußknecht Joh. Christoph Sommer jun. 1727-1777, *1705 Seeligstadt verh. mit einer
Rosina, welche +11.02.1730. Er heiratet wieder am 11.10.1730 in Seeligstadt eine Anna Maria Eysoldtin *1712 +1772 aus Seeligstadt, Tochter von Johann Michael Eysoldt Besitzer des niederen Freigutes.

Text:  H.P.Bruneker

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Ansicht 2013 Foto: R.Teichler
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